Ein kurzer Überblick

Euskal Herria, das Land der baskisch Sprechenden, wurde bereits vor Jahrtausenden von verschiedenen Stämmen bewohnt. Bekannt sind die Vasconen, die schon in Texten aus dem antiken Griechenland und Rom erwähnt werden. Die Römer hatten großen Einfluss auf die Entwicklung des Baskenlands. Spuren ihres Durchzugs durch diese Länder sind noch heute sichtbar und Städte wie Iruñea (spanisch: Pamplona), die historische Hauptstadt der Basken, wurden von den Römern gegründet. Nach dem Untergang des Römischen Reiches siedelten Westgoten im Baskenland. Sie konnten die Basken jedoch nicht unterwerfen.

Im neunten Jahrhundert wurde das Königreich Pamplona gegründet mit Iñigo Arista als erstem König. Es wurde später in Königreich Navarra umbenannt und war bis ins 16. Jahrhundert unabhängig. Auf Anordnung des König Ferdinand II., den man den Katholiken nannte, eroberte der Herzog von Alba zwischen 1512 und 1524 Navarra. Es gab heftigen Widerstand gegen diese Invasion, aber letztendlich blieben vom Königreich Navarra nur noch die nördlichen Gebiete. Die südlichen Provinzen konnten ihre „Fueros“, eine Aufzählung ihrer verbrieften Rechte, die ein gewisses Maß an Selbstbestimmung ermöglichten, noch eine Zeit lang behalten.

Der Ursprung der modernen Unabhängigkeitsbewegung reicht bis in das 19. Jahrhundert zurück. Als Antwort auf die Abschaffung der Fueros im Jahr 1876 durch Spanien entsteht 1895 die baskisch-nationalistische und konservative Partei EAJ-PNV (Eusko Alderdi Jeltzalea – Partido Nacionalista Vasco, Baskische Nationalistische Partei). Mit Euskaltzindia wird 1918 eine baskische Sprachakademie ins Leben gerufen. In 1930 gründet sich der ANV, eine patriotische linke Partei, die den bürgerlichen und katholischen Vorstellungen der PNV zuwiderläuft.

Der spanisch-baskische Konflikt

Der spanische Bürgerkrieg und die darauffolgende Franco-Diktatur hatten schreckliche Konsequenzen für das Baskenland: Bombardements, Tote, Verbannte, Gefangene, der Verlust aller nationalen und sozialen Rechte, eine brutale Unterdrückung … in diesem Kontext von Diktatur und brutaler Unterdrückung gründete eine neue Generation junger Menschen im Jahr 1959 Euskadi Ta Askatasuna (ETA, Baskenland und Freiheit). ETA verband die Forderung nach Unabhängigkeit und sozialistische Ideen mit der sozialen Frage und dem Kampf für Arbeiterrechte. ETA verpflichtete sich, mit allen Mitteln für das Selbstbestimmungsrecht des Baskenlandes zu kämpfen, auch mit Waffengewalt. Die letzten Jahre der Franco-Diktatur waren im Baskenland von sozialen Unruhen geprägt. Menschen gingen mit der Forderung nach nationalen und sozialen Rechten auf die Straße. Es folgte eine brutale Antwort der Diktatur, es gab Tote in Euskal Herria und die Gefängnisse füllten sich mit baskischen politischen Gefangenen. Franco starb 1975 und nach einer Übergangszeit wurde Spanien zur parlamentarischen Monarchie. 1978 wurde die spanische Verfassung verabschiedet. Diese schreibt die unauflösliche Einheit Spaniens fest und macht die Armee zum Garanten dieser Einheit. Die Mehrheit der baskischen Gesellschaft lehnte diese Verfassung ab. Ein Jahr später gab es ein neues Referendum über eine Autonomie für die baskischen Provinzen Araba, Bizkaia und Gipuzkoa. Die linke baskische Unabhängigkeitsbewegung stellte sich gegen das neue Autonomiestatut, weil die Provinz Navarra nicht Teil des Autonomiegebiets war und das Recht der baskischen Bevölkerung auf Selbstbestimmung nicht anerkannt wurde. Das Referendum wurde schließlich mit 53% der Stimmen angenommen. Der neue Status führte zur Schaffung der Baskischen Autonomen Gemeinschaft mit einer Regionalregierung und begrenzten Befugnissen. Heute glaubt die Mehrheit der Basken, dass dieses Modell nicht mehr tragfähig ist und dass ein neuer Rahmen erforderlich ist. Navarra wurde zur separaten Foralgemeinschaft. ETA sah damals keinen echten Neuanfang und führte den bewaffneten Kampf weiter.

Ziviler Ungehorsam

Im selben Jahr wurde Herri Batasuna (Volkseinheit, später Batasuna – Einheit) als linke Koalition für die Unabhängigkeit gegründet. Sie spielte eine wichtige Rolle in der baskischen Politik. Diese war geprägt vom spanisch-baskischen Konflikt. In den 80er Jahren führte der spanische Staat einen schmutzigen Krieg im Baskenland und setzte paramilitärische Todesschwadronen ein. Die baskische Menschenrechtsorganisation Euskal Memoria hat für die Zeit nach 1978 tausende Fälle von Folter dokumentiert. Das Baskenland leistete auch zivilen Widerstand. Der Kampf der Bevölkerung stoppte das Atomkraftwerksprojekt in Lemoiz. Hunderte von Jugendlichen schlossen sich der Insumisionsbewegung (Bewegung des Ungehorsams) an und weigerten sich, in der spanischen Armee zu dienen. Das Baskenland erlebte eine soziokulturelle Explosion, der baskische Rock wurde geboren, selbstverwaltete Projekte wie Gemeinschaftsradiosender oder Gaztetxes (selbstverwaltete Jugendzentren) wurden im ganzen Land geschaffen.

Einseitige Konfliktlösung

Dreimal gab es den Versuch, den spanisch-baskisch-französischen Konflikt in Gesprächen der Konfliktparteien zu lösen: 1989, 1999-2000 und 2006-2007. Alle drei Prozesse scheiterten. Im Jahr 2008 begann die linke Unabhängigkeitsbewegung eine interne Debatte zur Überwindung des bewaffneten Konflikts. Sie entschied, nicht in erster Linie auf Verhandlungen mit der spanischen Regierung zu setzen, sondern mit Unterstützung durch die baskische Zivilgesellschaft einseitige Schritte zu gehen. Am 17. Oktober 2011 erklärt ETA das Ende ihres bewaffneten Kampfes, im Frühjahr 2018 löst sich die Organisation auf. Die spanische Regierung verweigert sich auch heute noch einer Aufarbeitung des Konflikts und einer Lösung der verbliebenen Probleme.

Politisches Kräfteverhältnis

Bei den Regionalwahlen der Baskischen Autonomen Gemeinschaft im Jahr 2016 wurde der konservative PNV mit 37,36% stärkste Partei und stellt den Lehendakari (Ministerpräsident), gefolgt von der linken pro-Unabhängigkeitskoalition EH Bildu (das Baskenland neu schaffen) mit 21,13%. Weit abgeschlagen folgen die baskischen Regionalparteien dreier spanischer Parteien, die linke Podemos (14,76%), die sozialdemokratische PSE 11,86%) und die rechte PP (10,11%). In Navarra gelang es einem progressiven Bündnis von fünf Parteien zum ersten Mal seit 1978, die rechte Regionalpartei Unión del Pueblo Navarro (UPN, Einheit des Volkes von Navarra), eine Art CSU, von der Macht zu verdrängen.

Unsere Reisen

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